Kein Schalter, sondern Regulation: Qi Gong und der Vagusnerv
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Bei Traditioneller Chinesischer Medizin denken viele zuerst an Akupunktur oder Kräuter. Für Nathalie Sander gehört Bewegung genauso dazu – denn mit Qi Gong werden wir selbst aktiv, statt die Verantwortung abzugeben.
Im Interview erklärt die Heilpraktikerin für TCM und Qi-Gong-Lehrerin, woran man ein unausgeglichenes Qi erkennen kann, was Qi Gong im Dauer-Stressmodus bewirken kann und warum der Vagusnerv kein Schalter ist, den man mit einer einzigen Übung umlegt.
„Qi Gong bringt uns zurück in eine aktive Rolle: Wir lernen, unsere Ressourcen im Alltag selbst zu pflegen."
Nathalie Sander
Heilpraktikerin für TCM, Qi-Gong-Lehrerin und Gründerin von Qi Gong Renewal
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Warum Qi Gong ein so wichtiger Teil der TCM ist
Frau Sander, viele Menschen denken bei TCM zunächst an Akupunktur oder Kräuter. Warum ist Bewegung, insbesondere Qi Gong, Ihrer Meinung nach ein so wichtiger Bestandteil der TCM?
Qi Gong hat für mich einen besonderen Stellenwert, weil Menschen damit selbst aktiv werden können. Bei Akupunktur und Co. geben wir Verantwortung verständlicherweise an Behandelnde ab. Qi Gong bringt uns zurück in eine aktive Rolle: Wir lernen, unsere Ressourcen im Alltag selbst zu pflegen.
Wenn das Qi aus dem Gleichgewicht gerät
Was passiert aus Sicht der TCM, wenn unser „Qi" aus dem Gleichgewicht gerät – und gibt es dafür Symptome, die viele Menschen zunächst gar nicht mit Stress oder Überlastung in Verbindung bringen?
Wenn Qi nicht frei fließt, kann sich das als innere Anspannung, Gereiztheit, in Verspannungen oder Verdauungsbeschwerden zeigen. Ein ungewöhnliches Beispiel ist ein Kloßgefühl im Hals, obwohl beim Schlucken nichts blockiert ist. Die TCM nennt das „Pflaumenkern-Qi". Hält die Belastung lange an, kann eher ein Erschöpfungsmuster entstehen: Schwere, Konzentrationsprobleme und das Gefühl, nach kleinen Anforderungen ungewöhnlich lange Erholung zu brauchen.
Raus aus dem Dauer-Stressmodus
Viele Menschen leben dauerhaft im „Stressmodus". Welche Rolle spielt Qi Gong dabei, Körper und Geist wieder ins Gleichgewicht zu bringen – und welche Veränderungen beobachten Sie dabei oft bei Ihren Teilnehmenden?
Viele Menschen spüren direkt nach einer Stunde mehr Ruhe im Körper. Mit der Regelmäßigkeit berichten Teilnehmende häufiger von besserem Schlaf, mehr geistiger Klarheit und teils auch weniger Verspannungen oder Gelenkbeschwerden.
Der Vagusnerv: kein Schalter, aber ein wichtiger Partner
Der Vagusnerv gilt als einer der Schlüsselfaktoren für Entspannung, Verdauung und Regeneration. Gibt es Übungen aus dem Qi Gong, die Sie besonders empfehlen, um zur Ruhe zu kommen oder den Parasympathikus zu unterstützen?
Der Vagusnerv ist Teil eines komplexen autonomen Nervensystems – kein Schalter, den wir mit einer einzelnen Übung umlegen können. Qi Gong enthält jedoch Elemente, die eine ruhigere Regulation unterstützen können: langsame Bewegung, Rhythmus und eine sanft verlängerte, nicht forcierte Ausatmung. Ich kombiniere die Ausatmung gerne mit einem weichen, leisen Summton. Das Summen darf angenehm im Kehlkopfbereich schwingen – ohne Druck und ohne die Luft lange anzuhalten.
Zum Ausprobieren: die sanfte Summ-Ausatmung
- Setzen oder stellen Sie sich bequem hin und atmen Sie ruhig ein.
- Lassen Sie die Ausatmung etwas länger werden, ohne sie zu erzwingen.
- Summen Sie beim Ausatmen einen weichen, leisen Ton und spüren Sie, wie er im Kehlkopfbereich schwingt.
- Wiederholen Sie das einige Atemzüge lang in Ihrem eigenen Rhythmus.
Wichtig: kein Druck und kein langes Luftanhalten. Angenehm ist das Maß.
Vagusnerv verstehen und gezielt regulieren
Im Online-Seminar mit Nathalie Sander erfahren Sie, welche Rolle der Vagusnerv im autonomen Nervensystem spielt und warum es nicht um maximale Aktivierung geht, sondern um passende Regulation. Unter anderem geht es darum,
- warum der Vagusnerv kein einfacher „Entspannungsschalter" ist,
- welche Übungen Regulationsprozesse unterstützen können und welche beliebten „Vagus-Übungen" wissenschaftlich nicht belegt sind,
- warum intensive Atemtechniken, langes Luftanhalten und starke Kälte nicht für jeden geeignet sind,
- wie Atmung, rhythmische Bewegung und Körperwahrnehmung zusammenwirken.
Ausgewählte Atem-, Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen probieren Sie direkt gemeinsam aus. Aufzeichnung und Skript finden Sie ab dem Folgetag in Ihrem Kundenkonto.
Dienstag, 1. Dezember 2026 · 18:00 Uhr · 20 €
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