„Wenn wir Durst haben, ist es eigentlich schon zu spät“ – Interview mit Prof. Dr. Ingo Froböse
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Viele Menschen greifen erst zum Glas, wenn sie Durst haben. Für Prof. Dr. Ingo Froböse ist das zu spät: Wer Durst spürt, hat bereits Wasser verloren.
Im Interview erklärt der Sportwissenschaftler, woran man einen beginnenden Flüssigkeitsmangel erkennt, warum das Durstgefühl im Alter nachlässt, wie viel Wasser der eigene Körper wirklich braucht und warum der Vormittag beim Trinken entscheidend ist.
„Wasser ist unser wichtigstes Lebenselixier – wir sind ein bisschen wie eine Gurke. Wasser löst, transportiert, reinigt und kühlt.“
Prof. Dr. Ingo Froböse
Sportwissenschaftler und Experte für Prävention und Gesundheitsförderung
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Warum Durst ein spätes Signal ist
Herr Professor Dr. Froböse, viele Menschen trinken erst, wenn sie Durst verspüren. Ist das aus physiologischer Sicht eigentlich schon zu spät?
Physiologisch ist es natürlich absolut unsinnig, erst dann zu trinken, wenn wir Durst haben. Wasser ist unser wichtigstes Lebenselixier – wir sind ein bisschen wie eine Gurke. Wasser löst, transportiert, reinigt und kühlt. Wenn wir auf das Durstsignal warten, ist es eigentlich schon zu spät, weil wir dann bereits Wasser verloren haben.
Woran man einen Flüssigkeitsmangel bemerkt
Bereits ein leichter Flüssigkeitsmangel kann unsere Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Was passiert in diesem Moment eigentlich im Körper – und warum merken wir das oft zuerst an Konzentration und Kreislauf?
Wir merken, dass wir Konzentration verlieren, müder werden, leichte Kopfschmerzen bekommen und nicht mehr leistungsfähig sind. Außerdem können wir nicht mehr richtig kühlen. Das alles sind Indizien für einen Wasserverlust. Der Körper muss mehr Arbeit leisten. Deshalb ist es besser, vorzubeugen.
Warum das Durstgefühl im Alter nachlässt
Mit zunehmendem Alter lässt das Durstgefühl nach. Woran liegt das – und wie können ältere Menschen verhindern, unbemerkt in eine Dehydrierung zu geraten?
Die Sensibilität lässt nach – übrigens auch beim Geschmacks- und Geruchssinn. Die gesamte Sensorik älterer Menschen nimmt ab. Wir haben nicht mehr so viele intakte Rezeptoren und Messfühler im Körper, die dem Gehirn melden können, dass ein Defizit, also ein Wasserverlust, vorliegt. Es handelt sich letztlich um einen sensorischen Qualitätsverlust.
Wie viel Wasser der Körper wirklich braucht
Immer wieder hört man die Empfehlung, zwei bis drei Liter Wasser pro Tag zu trinken. Wie sinnvoll sind solche pauschalen Trinkmengen – und woran erkennt man, was der eigene Körper tatsächlich braucht?
Ich berechne die optimale Wassermenge lieber bezogen auf das Körpergewicht. 20 bis 30 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht sind gute Richtwerte. Eine wichtige Orientierung gibt auch der Urin: Wird er dunkel und nicht mehr hell und klar, dann haben wir ein echtes Defizit. Das Zweite ist: Zieht man die Haut auf dem Handrücken etwas hoch und sie geht nicht sofort elastisch zurück, sondern bleibt länger stehen, haben wir bereits in der Haut einen Flüssigkeitsmangel. Das sind typische Zeichen dafür, dass wir Flüssigkeit brauchen. Besonders morgens ist es sehr wichtig zu trinken.
Zum Selbstcheck: Habe ich genug getrunken?
- Richtwert berechnen: 20 bis 30 ml pro Kilogramm Körpergewicht. Bei 70 kg sind das etwa 1,4 bis 2,1 Liter am Tag.
- Auf den Urin achten: Hell und klar ist gut, dunkler Urin deutet auf ein Defizit hin.
- Hautfalten-Test: Die Haut auf dem Handrücken leicht hochziehen. Bleibt die Falte länger stehen, statt sofort zurückzugehen, fehlt Flüssigkeit.
Bei Vorerkrankungen ärztlich abstimmen
Bei Herz- oder Nierenerkrankungen und bei der Einnahme bestimmter Medikamente kann eine andere Trinkmenge sinnvoll sein. Besprechen Sie Ihren Flüssigkeitsbedarf in diesem Fall mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Der wichtigste Tipp: Den Vormittag nutzen
Wenn Sie unseren Leserinnen und Lesern nur einen einzigen Tipp für einen gesunden Wasserhaushalt mitgeben dürften – welcher wäre das?
50 bis 60 Prozent des gesamten Tagesbedarfs sollten bereits in den Vormittagsstunden getrunken werden, damit das Flüssigkeitsdefizit der Nacht ausgeglichen wird. Natürlich ist es auch wichtig, nachmittags und abends immer wieder in kleinen Schlucken zu trinken. Der Großteil sollte aber vormittags aufgenommen werden. Und das geht eben nicht mit einem Espresso, sondern am besten mit einer großen Kanne Kräutertee oder weißem beziehungsweise grünem Tee, um dieses Defizit auszugleichen.
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Zum Profil von Prof. Dr. FroböseDieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.